Ursula Fehr
1940

Ursula Fehr, geboren 1940 in Frauenfeld, studierte in den sechziger Jahren in Genf an der Ecole des Beaux-Arts, die sie mit dem Diplome de la Sculpture abschloss. Seit Mitte der sechziger Jahre entstanden Werkgruppen, in denen eine eigenständige Ausdrucksform mit pflanzenartigen Gebilden entwickelt wurde. Erst Mitte der siebziger Jahre fand sie zurück zur menschlichen Figur. Mit den Ikariden, den "Grünen Weibern", den "Wellenreiterinnen" und den "Traumkissen" entstehen seit 1985 in kontinuierlicher Weiterentwicklung grössere Werkgruppen, in denen die menschliche Befindlichkeit in der Jetzt-Zeit eindringliche Verbildlichungen erfahren. Ab den späten sechziger Jahren konnte die Künstlerin in der Ostschweiz verschiedene Arbeiten im öffentlichen Raum realisieren. Im Jahre 1996 erhielt Ursula Fehr den Thurgauer Kulturpreis zugesprochen.
Das plastische Werk Ursula Fehrs hat sich seit Mitte der sechziger Jahre in verschiedene Werkgruppen breit ausgefechert. Die künstlerische Intuition einer Metamorphose zwischen Gegensätzlichem zieht sich wie ein Ariadnefaden durch die verschiedenen Schaffensphasen hindurch. Mitte der siebziger Jahre kündigen sich in der Werkgruppe "Tränende Häupter" die Gestaltungselemente an, die auch heute noch die Formbildung zwischen fantastischer Menschenfigur und pflanzenartiger Gestalt bestimmen. In der Serie "Einschränkungen" (1975-1988) steht der Befreiungsakt der vitalen Mischwesen im Zentrum des Gestaltungsinteresses. Nachdem ihre Triebkraft die einengenden Fesseln und Käfige gesprengt hat, beginnt in der Werkgruppe der "Rebwürzler" ihr Leben auf «eigenem Boden«: Wie auf einem Magnetfeld kriechen die Wurzeln der Zwitterwesen auf den Bodenplatten dahin, sicher gehalten, aber nicht in Ritzen verzwängt. Mit den "Grünen Weibern", den "Wellenreiterinnen", den "Traumkissen" und den "Ikariden" entstehen seit den achtziger Jahren in kontinuierlicher Weiterentwicklung weitere grössere Werkgruppen, in denen die menschliche - vielleicht aber auch eine spezifisch weibliche - Befindlichkeit unter den gegenwärtigen Lebensbedingungen eine eindringliche Verbildlichung erfährt. Die Künstlerin konnte zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum realisieren.
Blick in die Werkstatt: Ursula Fehr realisiert die meisten ihrer Plastiken zuerst in Ton, Gips oder Wachs, nachdem sich ihre Gestaltungsidee zunächst mental konkretisiert hat. Hin und wieder werden auch andere Materialien, zum Beispiel gefundene Zweige in das Modell mit eingearbeitet. Die Vorlagen, die meist im Tessin gegossen werden, müssen des öfteren geteilt werden ehe sie gegossen werden können.
In einem aufwendigen, mehrschrittigen Verfahren werden zunächst Gussformen der einzelnen Skulpturenteile aus Gips / Schamotte gefertigt. Sie haben einen Kern, so dass die flüssige Bronze, die in die Hohlform (cireperdue) gegossen wird, zu einem dünnen Mantel aushärtet. Die grossen Ikariden werden mit einer inwendigen Stahlkonstruktion zusätzlich stabilisiert. Anschliessend beginnt das Ziselieren der Nähte, die Oberfläche der Plastik wird abgesäuert und schliesslich patiniert. Die unterschiedliche Färbung kommt durch die jeweilige Zusammensetzung der Chemikalien, zum Teil auch durch Farbbeimischungen zustande: So werden zum Beispiel die blauen der Ikariden Flügel zum Spiegel des freien Himmels.


Ausstellungen:
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